Bereits zum siebten Mal hieß es vom 28. September bis 3. Oktober 2009 „Hands on HD“. Die von nordmedia und Band Pro Munich organisierte Netzwerkveranstaltung mit integrierter Tagung und zahlreichen Workshops fand auch im siebten Jahr großen Zuspruch aus der Branche und machte 300 Teilnehmer und Mitarbeiter aus der Film- und Fernsehbranche fit für das High-Definition-Format.
Das weltweit einzigartige Netzwerk-Event wurde von rund 35 Herstellern, Sponsoren und Kooperationspartnern unterstützt und sorgte an sechs spannenden Tagen für jede Menge Anregungen, Diskussionen und praktische Übungen mit modernster Technik.
Wie auch in den vergangenen Jahren waren die Workshops in die beiden Teilbereiche Kamera und Postproduktion unterteilt. In gerätespezifischen Gruppen wurden die Teilnehmer von internationalen und nationalen Experten mit den Eigenschaften ihrer Geräte vertraut gemacht. Vor Ort waren unter anderem Koryphäen wie Professor Uli Plank von der HBK Braunschweig, der französische Digital Image Technician und Kameramann Philippe Ros, der englische Kameramann Geoff Boyle – der kürzlich noch Thomas Janes Mystery-Thriller „The Dark Country“ in 3D und das in Deutschland sehr populäre TV-Feature „Wallander“ filmte. „Hands on HD ist ein Event, das in seiner Form einzigartig ist. So viele unterschiedliche Systeme und Sets an einem Ort gibt es nur hier“, freute sich Geoff Boyle, Leiter der X-Over-Class. Echtes Film-Flair versprühten auch die Veranstaltungsorte von „Hands on HD“ 2009. Als Location für die Workshops und Tagungen dienten der dänische und der ehemalige britische Pavillon, in dem 2003 der preisgekrönte Fernseh-Zweiteiler „Im Schatten der Macht“ vor aufwendig ausgestatteten Szenenbildern im Stil der siebziger Jahre gedreht wurde.
Nicht minder aufwendig zeigten sich die unterschiedlichen Kamera-Sets in der 2.000 m² großen Halle, die den Teilnehmern bei ihren praktischen Übungen zur Verfügung standen. Geschult und gedreht wurde an und mit aktuellen Modellen von Panasonic (P2 HD), Sony (F23, F35 sowie die XDCAM- und HDCAM-Reihe), Arri (D21), Silicon Imaging (SI-2K), Ikegami und selbstverständlich der RED One. Zu den Inhalten der Kameraklassen zählten unter anderem Themen wie Menüstruktur, Workflow, Messtechnik und Zubehör. Als eines der Highlights stand ein aufwendig inszenierter Nachtdreh auf dem ehemaligen EXPO-Gelände auf dem Lehrplan. An zahlreichen eingerichteten Kamera-Sets testeten die Teilnehmer unter erschwerten Bedingungen die unterschiedlichen Systeme auf ihre Vor- und Nachteile. Eine besondere Herausforderung war die spektakuläre Show eines Feuerschluckers, die in tiefschwarzer Nacht ohne weiteres Licht-Equipment gefilmt werden musste.
Die dabei entstandenen Bilder und weiteres Material der Kameraklassen nutzte die Postproduktion für ihre Übungen. Unter der Leitung von Michael Radek wurden die Teilnehmer in kleinen Gruppen an unterschiedlichen Systemen geschult und die verschiedenen Funktionsweisen in der Praxis angewendet. Themen wie Kompressionscodes, Colorgrading und HD-Formate wie 720p, 1080i, 1080p standen in den Workshops ebenso im Fokus wie das Erlernen der Weiterverarbeitung von HD-Material der unterschiedlichen Kameratypen. Das Hauptaugenmerk lag dabei ganz klar auf dem digitalen Workflow und dem vernetzten Arbeiten. Bei der Weiterverarbeitung des Filmmaterials griffen die Teilnehmer auf modernste Technik zurück. So waren die Schnittplätze unter anderem ausgestattet mit Apple Final Cut, DVS Clipster, Nucoda sowie Avid und Adobe. Durch die räumliche Nähe im ehemaligen britischen Pavillon hatten Kameraleute und die Postproduktion jederzeit Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und den Dialog zum Hersteller und zu Fachleuten zu suchen, was im täglichen Produktionsablauf nicht möglich ist. „Bei Hands on HD arbeitet die Branche aus unterschiedlichen Departments für eine Woche eng zusammen, steht im Dialog und gibt sich gegenseitig Tipps. So was ist in der Branche einmalig“, erklärt Volker Kersbaum, European Product Manager bei Panasonic und Leiter der Panasonic P2 HD Kameraklasse.
Das immer populärer werdende Thema 3D stand auch bei „Hands on HD“ 2009 im Fokus. Unter der Federführung der P+S Technik GmbH leitete der 3D-Experte Alaric Hamacher von Virtual Experience eine zwölfköpfige Klasse. Neben den Basics der Stereoskopie thematisierte Hamacher verschiedene 3D-Rigs und den optimalen Workflow zwischen Akquise und Postproduktion. Selbstgedrehtes und in der Post bearbeitetes Material wurde gesichtet, verarbeitet und diskutiert. Relevante Bestandteile waren dabei das 3D-Grading und Bildkorrekturen sowie die Bearbeitung von 3D-Parametern.
Großen Wert legen die Veranstalter auf Feedback und nehmen dieses auch ernst. Bestes Beispiel ist der in diesem Jahr erstmals angebotene X-Over Tag, mit dem man auf die Wünsche vieler Teilnehmer reagierte. Alle Besucher hatten am Tag der Deutschen Einheit die Möglichkeit, unabhängig von der gewählten Kameraklasse die verschiedenen Kamerasysteme auszuprobieren. An den Sets standen die vorhandenen Kameratypen mit der jeweiligen Klassenleitung zur Hands-on-Verfügung. Kreatives Arbeiten am Set, verschiedene Programmierungen in unterschiedlichen Lichtsituationen, Kurzfilmerstellung, praktischer Umgang mit Messtechnik und Zubehör sowie das Durchlaufen des digitalen Workflows lauteten die Themen, in denen die Teilnehmer erste Erfahrungen mit verschiedenen Kamera-Settings, -Typen und -Formaten sammeln konnten. „Verschiedene Kamerasysteme mit ihren spezifischen Anforderungen ausgiebig ausprobieren und unbeschwert erste Erkenntnisse sammeln, das gibt es nur bei Hands on HD. Dank unserer Erfahrung können wir den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite stehen und Tipps zu Settings und Workflow geben“, so X-Over-Class-Dozent Philippe Ros, der kürzlich für Walt Disney Pictures mit seiner 17-köpfigen Kamera-Crew die 55-Millionen-Dollar-Natur-Dokumentation „Disney’s Oceans“ abdrehte.
Die Hands on HD-Tagungstage waren auch in diesem Jahr wieder sehr gefragt. Eingebettet in die Workshops bot die zweitätige Netzwerk-Veranstaltung für ihre Teilnehmer ein exklusives Programm mit hochkarätigen Referenten. Schwerpunkte waren die Digitalisierung der deutschen Medienlandschaft, digitale Distribution und HDTV in Deutschland. Gerhard Bergfried gab in seiner Keynote eine Übersicht über die Digitalisierungstendenzen beim Fernsehen und deren Konsequenzen. Kim Ludolf Koch, Geschäftsführer Cineplex Deutschland, referierte über digitales Kino und das immer stärker wachsende Thema 3D in deutschen Lichtspielhäusern. Die Verbreitungswege und die Meilensteine zur Einführung von HDTV in Deutschland zeigte Carine Lea Chardon, Geschäftsführerin Deutsche TV-Plattform, auf. Einblicke über den im Jahr 2010 anstehenden HD-Regelbetrieb und die HD-Produktion des ZDFs gab Tobias Schwahn. Der Systemingenieur erläuterte die Infrastruktur und Technik sowie das Sendeformat der Öffentlich-Rechtlichen. 9 x HD hieß es im Vortrag von Helge Sauré. Der Geschäftsführer von Studio Hamburg Synchron und Postproduction hat mit seinem Team neun aktuelle Kamerasysteme unterschiedlicher Hersteller unter die Lupe genommen und präsentierte den Zuhörern aus Produktion und Regie einen umfassenden Bild-Vergleichstest, der eindrucksvoll an einem eigens für die Veranstaltung installierten 4K-Beamer vorgeführt wurde. Weitere Themen waren unter anderem HD-Video im Internet, Blu-ray-Authoring, die Gestaltung bei 3D-Filmproduktionen und die Stereo-Bilddarstellung.
Herr Wolters, welche Ziele verfolgen Sie grundsätzlich mit „Hands on HD“?
Wir als Mediengesellschaft für Niedersachsen und Bremen haben natürlich primär die Standortentwicklung im Bereich der audiovisuellen Medien in den beiden Bundesländern vor Augen. So lag der Anteil der Medienschaffenden aus Niedersachsen und Bremen in den Workshops bei 40 %, in den Tagungen bei 50 % und bei 78 % bei Mitarbeitern und Dozenten. „Hands on HD“ soll zum einen die Medienschaffenden über die neueste Technik informieren und den Umgang mit ihr schulen, zum anderen streben wir eine Vernetzung aller Beteiligten untereinander an. „Hands on HD“ hat sich mittlerweile so stark etabliert, dass die Beteiligten – Teilnehmer, Referenten und Mitarbeiter bei „Hands on HD“ – auch unabhängig von der Veranstaltung miteinander in Kontakt stehen und sich austauschen oder sogar zusammenarbeiten. Hier kommen letztendlich auch die unterschiedlichen Zielgruppen zusammen und lernen sich kennen: Hersteller, Medienschaffende sowie Produzenten und Sender. Bei „Hands on HD“ vernetzt sich die komplette Wertschöpfungskette. Für jedes Mitglied hat dieses Netzwerk daher einen hohen Nutzwert.
Herr Wolters, wo lagen in diesem Jahr die Schwerpunkte von „Hands on HD“?
In diesem Jahr hatten wir zwei Schwerpunkte. Diese liegen zum einen Teil grund-sätzlich auf dem digitalen Workflow – hier zwischen Akquise und Postproduktion. Erstmalig hatten wir Kameraleute, die sich gezielt für die Postproduktionsklasse angemeldet haben. Diese Entwicklung ist sehr interessant und zeigt, dass der digitale Workflow letztendlich die wichtigste Wissensbasis einer unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgreichen digitalen Filmproduktion ist. Zum anderen Teil nimmt auch auf Akquise-Seite der Trend zur Stereoskopie zu. Daher wurde das Thema sowohl in den Workshops als auch in der Tagung den jeweiligen Zielgruppen näher gebracht und in all seinen Facetten „durchleuchtet“.
Wie ist das siebte Jahr „Hands on HD“ im Angesicht der Wirtschaftskrise gelaufen, und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Wir haben selbstverständlich auch unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu leiden. Uns fehlten in diesem Jahr zum Teil finanzielle Mittel und Beistellungen, die wir normalerweise durch Sponsoren abdecken müssen. Natürlich haben wir aber Verständnis für die Lage der Sponsoren und hoffen, dass es in den nächsten Jahren wirtschaftlich wieder bergauf geht, sodass sich die Umstände bessern. Bis auf diesen Punkt wurden unsere Erwartungen im Jahr 2009 mit „Hands on HD“ erfüllt. Wir müssen jedoch erst mal die Evaluation der Veranstaltung durch die Beteiligten abwarten, um genaue Aussagen treffen zu können. Letztendlich sind wir zufrieden, wenn unsere Kunden beziehungsweise die Mitwirkenden an „Hands on HD“ zufrieden sind.
Was erwartet uns bei „Hands on HD“ 2010?
Wir werden in jedem Fall den Workflow weiter thematisieren und diesen, selbstverständlich in unterschiedlicher technischer Ausprägung, auch für neue Zielgruppen aufbereiten. Hier haben wir beispielsweise auch Redakteure, Produzenten und Beschäftige aus dem Managementbereich im Fokus. Der digitale Workflow ist sicherlich anspruchsvoller als der analoge und erfordert ein größeres Know-how aller Beteiligten. Durch seine Komplexität bietet er aber auch neue Möglichkeiten und trägt, wie bereits erwähnt, entscheidend zur Wirtschaftlichkeit bei der Realisierung von Filmproduktionen und kreativen Umsetzung von Ideen bei. Die vorgenannten Zielgruppen sollten frühzeitig mit den Möglichkeiten und Risiken der verschiedenen Optionen für eine digitale Produktion in Berührung kommen, denn sie entscheiden letztendlich, ob und wie ein Projekt umgesetzt wird.
10.01.2011
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