Von virtuellen Operationen über das „UN Food Force“-Roleplay zur online-Ausbildung von Sicherheitskräften – die Anwendung von Serious Games bietet viele, zum Teil noch ungenutzte Möglichkeiten für Industrie, den öffentlichen Sektor und die Unterhaltungssoftware-Branche. Die erste „Serious Games Conferene“, veranstaltet in Kooperation mit dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. und unterstützt durch die Deutsche Messe AG, erfreute sich entsprechend großer Nachfrage.

Martine Parry
In ihrem Keynote-Vortrag führte Martine Parry, Gründerin des englischen Spieleentwickler - Verbands Tiga und CEO der Serious Games Alliance Europe, Angils, mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis in das Thema ein. Dabei machte Parry darauf aufmerksam, dass Serious Games im Speziellen für Game-Developer und –Publisher ökonomisch sinnvoll, bisher aber noch wenig erschlossen seien.

Dr. Sara de Freitas
Dass Serious Games eine Innovation für das virtuelle Lernen bedeuten, betonte Dr. Sara de Freitas im anschließenden Vortrag. Die renommierte e-learning-Forscherin und Leiterin des Knowledge Lab an der University of London stellte zentrale Ergebnisse aus ihren Untersuchungen zur Effizienzsteigerung des Game - based - learning vor.

James Durran
James Durran, Dozent am Parkside College in Cambridge, europaweit gefragter Experte im Bereich „Media Literacy“ und Autor des gleichnamigen Buches, präsentierte den „Mission Maker“, eine neuartige Software, mit dem Schüler ihre eigenen Computerspiele konzipieren können. Wie diese Anwendungen zur Vermittlung von Medienkompetenzen genutzt werden können, wurde in Durrans Vortrag anschaulich erläutert.

Thomas Kruk
Die Nachmittags-Vorträge widmeten sich ganz dem Schwerpunktthema „Educational Games“. Mit Ulrich Wechselberger, Universität Koblenz-Landau, und Thomas Rathgeb von der Landesstelle für Kommunikation Baden-Württemberg konnten als Referenten gleich zwei Wissenschaftler gewonnen werden, die grundlegende Studien zum pädagogischen Einsatz von digitalen Medien durchführen. Für die Teilnehmenden von großem Interesse, wurden zahlreiche Fragen zur Nutzung und dem fördernden Einsatz von Games bei Kindern und Jugendlichen beantwortet. Diese Diskussion nahm auch Thomas Kruk, Hersteller von Kinder-Software, in seinen Vortrag auf, und gab darüber hinaus einen ausführlichen Einblick in den Markt der Lernspiele.

Podiumsdiskussion
Abgeschlossen wurde die spannende Konferenz durch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Neue Technologien in der Schulbildung – Verpasst Deutschland den digitalen Anschluss?" Die Diskutanten, Dr. Martin Riemer-Streicher vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Dr. Carsten Kindermann, Leiter der Geschäftsentwicklung Neue Medien vom Cornelsen Verlag, Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung und Armin Burger, Game-Developer bei Deck 13, zogen ein kritisches, aber optimistisches Fazit: Zwar seien Initiativen an Schulen in der Vergangenheit wenig erfolgreich gewesen und die Akzeptanz von Lernsoftware noch gering, aber Tendenzen zum verstärkten Einsatz digitaler Medien in den Klassen dennoch auszumachen.
08.12.2009
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