Im Mittelpunkt des Thementags „eHealth.Niedersachsen - Fokus Osnabrück“ am 4. November 2010 standen die innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Osnabrücker Region. Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr richtete die vierte Tagung der „Fokus“-Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft GewiNet aus.
Mit eindrucksvollen Zahlen machte Dr. Reinhold Kassing, Erster Kreisrat des Landkreises Osnabrück, deutlich, wie wichtig eHealth für die Osnabrücker Region sei. „23.000 Menschen arbeiten in unserer Gesundheitsbranche und vier Hochschulen bieten insgesamt 20 gesundheitsrelevante Studiengänge an“. Staatssekretär Dr. Oliver Liersch schloss sich seinem Vorredner an und betonte, dass es bei eHealth.Niedersachsen nicht darum ginge, theoretische Gebilde aufzubauen, sondern konkrete Projekte anzustoßen.

Die Teilnehmer der Beiratssitzung
„Wir müssen daran arbeiten, eHealth als Kultur zu etablieren.“ Diese Forderung formulierte Prof. Dr. Ursula Hübner, Professorin an der Hochschule Osnabrück und Mitglied des Beirats eHealth.Niedersachsen. In ihrem Vortrag präsentierte sie den Leitfaden zur Stärkung der niedersächsischen Gesundheitswirtschaft, dessen endgültige Fassung der Beirat auf der vormittags stattgefundenen Sitzung beschlossen hatte. Der Leitfaden bietet dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zehn Hilfestellungen, um eHealth in Niedersachsen zu stärken.
Dr. Kai Heitmann und Daniel Flemming präsentierten in ihrem gemeinsamen Vortrag die Arbeit der internationalen eHealth-Standardisierungsorganisation „HL7“ und der Hochschule Osnabrück. Die Hochschule entwickelte, wie Flemming erklärte, einen Leitfaden zur Implementierung des elektronischen Pflegeberichts und erarbeite nun Standardisierungsmaßnahmen für den eTherapie- und eWundbericht.
Laut Frank Haverkamp, Geschäftsführer der GCD mbH, sei es heutzutage Aufgabe der IT, die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens zu sichern. Anwendungen und Dienstleistungen müssen so verfügbar sein, dass ein externer Spezialist mit den CT-Aufnahmen des 200 km entfernten Krankenhauses arbeiten könne.
Alfons Rathmer, IT-Manager von 3M, ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung von globalen Standards für das Qualitätsmanagement und die Patientenversorgung ein. Doch „es geht nie mit einem Big Bang, sondern nur über langfristig angelegte Migrationsprozesse.“
Die Pflegedirektorin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Iris Meyenburg-Altwarg, gab einen Einblick, wie sich in der Praxis die 650 existierenden Pflegestandards in Arbeitsanweisungen für 2.400 Mitarbeiter herunterbrechen lassen.
Auf der anschließenden Podiumsdiskussion fragte die Moderatorin Dr. Maren Grautmann, Geschäftsführerin von GewiNet, ob im Jahr 2025 die papierlose Praxis existieren werde. Dr. Bernd Runde der Niels-Stensen-Kliniken und Heinrich Meyer von der Versandapotheke Sanicare gaben zu bedenken, dass der bemessene Zeitraum vermutlich zu kurz sein werde. Prof. Dr. Dieter Lüttje, Ärztlicher Direktor des Klinikum Osnabrück, sorgte sich dagegen um die Zukunft der Krankenhäuser: „Der Patient wird im Jahr 2025 sich zwar sicherer fühlen und auch sicherer sein. Doch wie lassen sich die finanziellen Probleme lösen, ohne am Personal zu sparen?“
Alle Vorträge der Veranstaltung sowie das genaue Tagungsprogramm können Sie als PDF herunterladen.
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