Am 12. Januar 2012 fand im Planet MID in Hannover ein weiterer Teil der Vortragsreihe Media Future – Trends, Prognosen und Visionen statt. „Social TV – Auf dem Weg zu einem neuen multi-billion dollar business?“ lautete das Thema des Vortrags von Prof. Dr. Beate Schneider und Christopher Buschow vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Die beiden Referenten sprachen über die Verknüpfung von klassischem Fernsehen mit Social Media-Anwendungen sowie sich aus dieser Paarung ergebende Synergien und Möglichkeiten.
Aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch neue Medien wie dem Internet prognostizieren Medienforscher bereits seit Jahren, dass die TV-Nutzung abnehmen werde, einige prophezeien gar den Niedergang des konventionellen Fernsehens. Doch dieses Szenario hat sich bis dato nicht bewahrheitet – im Gegenteil: Studien belegen, dass der Fernsehkonsum der Deutschen in den letzten Jahren sogar leicht zugenommen hat. Bei den Fernsehgewohnheiten hingegen lassen sich im Vergleich zu früher durchaus Unterschiede feststellen. Vor allem bei der Parallelnutzung verschiedener Medien ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Eine Studie von IP Deutschland hat ergeben, dass 52% der Deutschen im Alter von 14-49 zumindest gelegentlich während des Fernsehens im Internet surfen, 16% tun dies häufig.
Prof. Dr. Beate Schneider merkte an, dass es über die Art der Aktivitäten, die während des Fernsehens im Internet vorgenommen werden, bisher nur wenige handfeste Daten gibt: „Die Forschung steckt hier noch in den Kinderschuhen“. Allerdings könne während bestimmter TV-Sendungen besonders bei den Social Media Plattformen wie Facebook oder Twitter ein erhöhter Traffic festgestellt werden. Christopher Buschow führte hier den sogenannten „X-Factor-Effect“ als Beispiel an: „Am Ausstrahlungstag der Casting-Show X-Factor in England sind fast 2% aller Kurznachrichten auf Twitter auf X-Factor bezogen.“ Viele Menschen nutzen demnach Soziale Netzwerke, um sich mit anderen in Echtzeit über ein laufendes Programm auszutauschen oder Empfehlungen von Freunden für sehenswerte Programme zu bekommen. „TV Inhalte gehören zu den wichtigsten Triebfedern für Kommunikation im Internet“, so Herr Buschow „als Beyoncé bei den MTV Video Music Awards ihre Schwangerschaft bekanntgab, wurden bei Twitter 8.868 Tweets in der Sekunde geschickt.“
Für die Parallele Nutzung von Fernsehen und Social Media gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am weitesten verbreitet sind immer noch „Two Screen Lösungen“, beispielsweise der Gebrauch eines Laptops während des Fernsehens. Eine andere Möglichkeit sind „One Screen Devices“ wie das Samsung Smart TV. Die Tatsache, dass Social Media und TV so gut zusammen passen, ist für Prof. Schneider und Herrn Buschow allerdings keinesfalls überraschend, denn Fernsehen sei schon immer ein soziales Erlebnis gewesen. Früher seien die Menschen in Fernsehstuben zusammen gekommen und auch heute säßen viele Familien abends gemeinsam vor dem Fernseher.
Durch Social TV entstünden überdies neue lukrative Geschäftsfelder. Werbung könne gezielt platziert werden und durch die Dokumentation der Vorlieben der Fernsehzuschauer auf den Portalen der sozialen Netzwerke werde Marktforschung auf diesem Gebiet auf Dauer überflüssig. „Allein auf Facebook gibt es über 1,65 Milliarden Likes für Serien und TV-Shows.“ Viele TV-Sender hätten das Potential für gezielte Werbung und Zuschauerbindung erkannt. Bei ProSiebenSat1 heißt es hierzu: "Wir haben festgestellt, dass in der Werbepause die Server der Social Networks zu rauchen anfangen, weil viele Zuschauer Online gehen. Das wollen wir auch für unsere Angebote nutzen.“
Um mehr über den Austausch über TV-Inhalte in sozialen Netzwerken und zukünftige Trends auf dem Gebiet Social TV in Erfahrung zu bringen, plant das IJK in Kooperation mit MediaCom Agentur für Media-Beratung GmbH eine Studie zu diesem Thema.
19.01.2012
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