Eingestimmt mit einem deutschen Abend mit Bier und Wurst trat der Musiker Christian Manss von der Band „Blauson“ mit deutschen Texten auf. Die Veranstaltung im House of Win-Win stand ganz unter dem Zeichen deutscher Dokumentarfilme. Einmal wöchentlich findet dort der Doku-Cinemaclub „Doc Lounge“ statt. Das Konzept existiert in 13 skandinavischen Städten, wöchentlich wird ein Dokumentarfilm in entspannter Atmosphäre gezeigt. Der Filmemacher Volker Schlecht präsentierte an diesem Abend seinen Kurzfilm GERMANIA WURST und Regisseur Jan Tenhaven seine Fernsehfassung von HERBSTGOLD.

Jochen Coldewey
Am darauffolgenden Tag gab es für ca. 60 Teilnehmer interessante Beiträge zur Situation des Dokumentarfilms in Europa. Jochen Coldewey, Bereichsleiter Förderung und Standortentwicklung, beschrieb das Filmfördersystem in Deutschland, erklärte die Aufgabenfelder der nordmedia und erläuterte, welche Dokumentarfilme in den letzten Jahren gefördert wurden. Es folgten Case Studies über internationale Koproduktionen von den Produzenten Georg Tschurtschenthaler (Gebrüder Beetz Filmproduktion), der mit einem Beitrag auf dem Internationalen Filmfest in Göteburg vertreten war (MY HEART OF DARKNESS), Helgi Felixson und Jonas Kellagher. Es ging darum, wie internationale Ko-produktionen erhöht werden können. Sowohl postive als auch kritische Stimmen wurden laut. In Schweden sei das Problem, dass die Finanzierung und Förderung ein bis zwei Jahre dauere.

Tschurtschenthaler, Coldewey, Möller, Kellagher, Lidin, Felixson
Sirkka Möller, die Dokumentationen an Fernsehsender verkauft, sprach über TV-Sender und deren Vertriebsmöglichkeiten. Redakteure wurden teils via Skype zugeschaltet: Jutta Krug vom WDR sowie Peter Gottschalk von arte. Axel Arnö, Redakteur beim schwedischen Sender SVT war vor Ort. Es ging u.a. um Sendeslots für Dokumentationen bei arte und SVT.
Cecilia Lidin, Documentary film commissioner SFI/ former Head of European Documentary Network, sprach über die Zukunft des Dokumentarfilms in Europa. Ein weiterer Sprecher war Peter Johnsson, Mitglied des schwedischen Parlaments und Nordic Council, über „arte nordic“ (die Idee eines gemeinsamen nordischen Senders gemäß dem Modell des bilingualen deutsch-französischen Senders ARTE). Ebenfalls via Skype zugeschaltet wurde der Festival Direktor vom DOK Leipzig, Claas Danielsen.

Göteborg by night
Nach der Abschlussrunde, in der gesagt wurde, dass es neben dem Fernsehen dringend neue crossmediale Lösungen gefunden werden müssen, konnten die Gäste Eindrücke vom Göteburg International Filmfestival aufsaugen. In der klirrenden Kälte leuchteten in der Innenstadt die roten Drachen, das Symbol des Filmfestivals, mit den blauen Straßenbahnen um die Wette.
Mit der Fähre gelangte man tagsdrauf an den Kai gegenüber und zu den Gothenburg Film Studios. Über 10.000 qm bieten Platz für ein kreatives Cluster von 30 Firmen, drei Studios und Produktionsbüros. Das innovative Filmkollektiv bietet alles an, vom Drehbuch bis zur Postproduktion, Workshops und Waschmaschinen für Kostüme. Die deutsch-schwedische Krimireihe JOHAN FALK (koproduziert von der Bremedia Produktion) wird ebenfalls dort produziert und in 2011 postproduziert. Paul Blomgren führte uns herum und zeigte uns das Konzept von „Open Set“. An einem Tag können Besucher die komplette Entstehung eines Films beobachten. Niclas Merits zeigte uns sein Tonstudio Cloudberry Sound, die auch schon für MAMMUT den Sound gemacht haben, der auf der 59. Berlinale Premiere feierte.
24.05.2011
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