
Für die Niederländer ist die Küste, wie hier bei Domburg, nichts Ewiges, sondern immer nur das vorläufige Ergebnis des Ringens zwischen Mensch und Meer.
Dokumentation von Alois Berger
Sendetermin: So, 17.6.12, 14.45 Uhr, 3sat
Kein Land Europas hat so heftige Kämpfe mit der Nordsee ausgefochten wie die Niederlande. Fast die Hälfte des Staatsgebietes wurde dem Meer in harter Arbeit abgerungen und wird noch heute durch Deiche und Pumpen vor Überflutung geschützt. So ist es selbstverständlich, dass das Lebensgefühl der Niederländer von ihrem Verhältnis zum Meer geprägt ist.

Zeugen des jahrhundertelangen Ringens mit der Nordsee: Die holländischen Windmühlen wurden gebaut, um die Gebiete leer zu pumpen, die unter Meereshöhe liegen.
Für die Niederländer bedeutet Küste nichts auf ewig Feststehendes. Fast die Hälfte des Landes war einmal Teil der Nordsee und wurde ihr in harter Arbeit abgerungen. Dieses Polderland liegt tiefer als der Meeresspiegel und wird durch Deiche und Hunderte von Pumpwerken trocken gehalten. Würde man die Pumpwerke abschalten, müssten zwei Drittel der Niederländer ihre Dörfer und Städte verlassen.

Küstenforscher Marcel Stive (re.) und sein Mitarbeiter Menno Eelkema (li.) arbeiten daran, dass die Niederlande auch bei einem Anstieg des Meeresspiegels bewohnbar bleiben.
Kein Land in Europa ist so geprägt vom ständigen Kampf mit der Nordsee. Schon die Schulkinder werden darauf vorbereitet, dass die Nordsee nicht nur schön, sondern auch gefährlich ist. "Wir leben im sichersten Flussdelta der Welt", sagt der Delfter Küstenforscher Marcel Stive, "aber wenn etwas schief geht, geht es richtig schief." Der Wissenschaftler arbeitet daran, dass die Deiche und Sturmflutwehre noch stabiler und sicherer werden. Dabei gelten die holländischen Deiche schon heute als die besten und sichersten der Welt. Doch für Küstenforscher Marcel Stive bleibt es eine zentrale Frage, ob die Niederländer auch in Zukunft noch in ihrer Heimat leben können. Ob es gelingt, dem Anstieg der Meeresspiegel Paroli zu bieten?

Eigentlich ist es in den Niederlanden zu gefährlich, direkt am Wasser zu wohnen. Aber Anne van der Molen (re.) lebt mit ihrer Familie in einem Haus, das notfalls schwimmen kann.
Die meisten Niederländer hegen keinen Zweifel. Ihre Ingenieure haben bisher immer eine Lösung gefunden. Zum Beispiel Häuser, die zwar fest auf dem Boden stehen, bei Hochwasser aber schwimmen können. Die Bewohner dieser sich dem wechselnden Wasserstand anpassenden Häuser fühlen sich nicht nur sicher, sie genießen auch die Möglichkeit, unmittelbar am Wasser zu wohnen. Denn normalerweise dürfen Häuser in den Niederlanden nur hinterm Deich gebaut werden.

Für die Strandräuber Maarten Brugge (li.) und Cor Ellen (re.) kann der Wind gar nicht stark genug sein, denn je höher die Wellen, desto größer die Chancen, dass draußen auf See etwas über Bord gespült und bei ihnen vor der Haustür angeschwemmt wird.
Für die sogenannten Strandräuber auf den Wattinseln im Norden kommen solche Häuser nicht infrage. Dafür ist das Meer dort oben einfach zu rau. "Das muss auch so sein," meint Maarten Brugge, der jüngste Strandräuber von Texel, "die Stürme sorgen dafür, dass das Meer immer etwas anspült." Außerdem sei die stürmische See wichtig für das Lebensgefühl: "Ich mag die Nordsee, weil sie wild ist."
Text: ARTE
Produktion: fernsehbüro GmbH
Weitere Sendetermine: Fr, 23.7.10, 16.50 Uhr, ARTE (Erstausstrahlung); Fr, 30.7.10, 9.15 Uhr, ARTE; Di, 26.7.11, 21.00 Uhr, rbb-Fernsehen; Mi, 7.3.12, 15.15 Uhr, NDR-Fernsehen
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.
Siehe auch: AN DER NORDSEEKÜSTE
08.05.2012
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