Auf der Suche nach dem besten italienischen Restaurant in der Nähe, dem Veranstaltungsguide für das nächste Wochenende oder der vergessenen Web-Adresse; heute machen Online-Suchmaschinen das Leben leichter und sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Der damit einhergehende Verlust des Datenschutzes und der Privatsphäre des Einzelnen waren ein Schwerpunkt des nordmedia Business-Frühstücks am 27. Oktober. Referent Dr.-Ing. Wolfgang Sander-Beuermann, Leiter des Suchmachinenlabors an der Universität Hannover, gab interessante Einblicke zum Thema.
…ist einer der Sätze, die Dr. Sander-Beuermann bei seiner Arbeit rund um das Thema Web-Suchmaschinen oft hört. Als Initiator und Geschäftsführer startete er 2004 den Verein für freien Wissenszugang, SuMa-eV, und fördert als Dachverband alternative Suchmaschinen.
„ALLES wird mindestens kurzzeitig irgendwo gespeichert, JEDER Klick und jedes Zeichen von der Tastatur“, warnt Dr. Sander-Beuermann. Des Weiteren bestärkt er: „Man kann allein durch das Suchverhalten herausfinden, wer jemand ist.“
Online-Suchmaschinen im Internet haben ihre Wurzeln 1990 an der McGill Universität in Montreal, als ein Student der Computerwissenschaften für die Suche in aftp-Servern „Archie“ entwickelte. Die heute beliebteste Suchmaschine „Google“ brachte sich 1998 erstmals in das Marktgeschehen ein und gewann fortan zunehmend an Marktanteil. Schon zwei Jahre später war Google, mit 18 Mio. Abfragen pro Tag, die weltweit größte Suchmaschine. Samt der „Google clones“ wie T-Online oder Freenet, die für ihre Suchergebnisse auf Google-Datenbanken zugreifen, beherrscht Google heute mit 93 Prozent den Markt.
Vor den fatalen Folgen eines Suchmaschinen-Monopols warnt Dr. Sander-Beuermann in seinem Vortrag. „Der Monopolist hat die Kontrolle“, bemerkt er und weist auf die manipulativen Aspekte einer Monokultur hin. Welche Informationen verfügbar sind und in welcher Reihenfolge die Ergebnisse einer Recherche beim Nutzer angezeigt werden, wird durch einen einzigen Konzern gesteuert. „Diese Situation ist gefährlich für die Informationsgesellschaft!“ betont Dr. Sander-Beuermann. Auf 88 Prozent von 393.829 untersuchten Domains liest Google mit und lässt somit weltweit die größte Sammlung personenbeziehbarer Daten entstehen. Unterstützt von Domains wie Geo-Targeting, dem Browser-Fingerprint und den Social Networks.
so Dr. Sander-Beuermann, und setzt auf Abhilfe durch die Wirtschaft. Mehr als zehn Kartellklagen wurden gegen Google in Deutschland erhoben. Ebenso wurden Beschwerden bei der EU-Kommission eingereicht. Im momentanen Fokus steht dabei Google street view. Die Rechtslage ist unsicher. „Wenn man heute sein Haus verlässt und dabei einem Googlestreetview-Car zwischen die Linse gerät, ist das allemal unhöflich“, scherzt Dr. Sander-Beuermann und verweist auf Italien, wo die Aufnahmen bereits einer vorherigen Ankündigung bedürfen. Deutschland hingegen fehle es bislang an politischem Willen und Informationskompetenz, so Dr. Sander-Beuermann.
Wie jeder Einzelne seine Privatsphäre im Internet schützen kann und welche Alternativen es gibt, zeigt Dr. Sander-Beuermann und gibt in seiner Präsentation hilfreiche Tipps und Links. Der SuMa-eV etabliert sich dabei mehr und mehr als eine Art Dachverband alternativer Suchmaschinen, in dem mittlerweile 24 Suchmaschinenbetreiber oder deren Entwickler mitarbeiten. Den gesamten Vortrag finden Sie unter www.metager.de/nordmedia.
Das nächste nordmedia Business-Frühstück findet am 24.11.10 zum Thema "Filmrecht" statt. Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier.
Fotos: Jörg Lorenz
29.10.2010
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