
Fabian Wolff erklärt Adgames.
Nachdem schon 1999 eine bekannte irische Whisky-Marke zur Moorhuhnjagd am Bürorechner blies, holen moderne Werbespiele die Kunden direkt beim Surfen, auf Facebook oder an ihren mobilen Endgeräten ab. Anders als traditionelle Reklame sorgen Adgames für Spaß statt Fluchtreaktionen, so der Referent Fabian Wolff von wolff interactive auf dem nordmedia Business-Frühstück am 16. Juni.
Zur großer Bekanntheit verhalfen dem Moorhuhn-Spiel neben dem prägnanten Character-Design die zahlreichen Medienberichte: Arbeitgeber fürchteten um die Produktivität ihrer jagenden Mitarbeiter, Tierschutzorganisationen äußersten ethische Bedenken. Inzwischen gibt es über 30 Spiele rund ums Moorhuhn. Mussten Spieler früher die Software noch auf ihren PC herunterladen und installieren, entfällt diese Hürde heute: Wer im Internet surft, kann schnell ein Spielchen wagen, da die meisten Browser um ein Flash-Plug-in erweitert sind.
Für Fabian Wolff erleichtert der Einzug der Werbespiele in die Onlinewelt nicht nur ihre zielgenaue und virale Verbreitung. Wenn Spieler sich zu Beginn registrieren, entstehen direkte Kontakte zu den Kunden. Doch nicht alle spielaffinen Kunden finden allein zum Game. Um sie dorthin zu lotsen, helfen Hinweise in Printmedien oder Bündelangebote wie die auf Getränkeflaschen gedruckten Freischaltcodes.
In diesem Sinne sollte das Werbespiel laut Wolff stets einen Teil der Gesamtkampagne ausmachen und nicht als Ausgangpunkt oder gar Selbstzweck dienen. Die Zielgruppe darf ebenfalls nicht aus den Augen geraten: Das Game muss zur Botschaft des Produkts und der Marke passen, ohne sie übermäßig in den Vordergrund zur stellen, um die emotionale Bindung des Kunden ans Spielgeschehen nicht abzuwürgen. Für unbeschwerte Kurzweil sorgen außerdem überschaubare Komplexität und eine einfache Steuerung. Wer unter den eigenen Kunden keine Gamer vermutet, sollte lieber ganz auf Adgames verzichten.

Football 2010: Champions of South Africa
Parallel zu den Browsergames sieht Wolff zwei neue Trends auch für das Adgame: Social Media und mobile Endgeräte. Statt um Online-Games herum eigene Communities aufzubauen, integriert sich das Game in ein bestehendes soziales Netzwerk wie etwa Facebook. Fabian Wolffs jüngste Firma Kamicat etwa hat mit Football 2010: Champions of South Africa bereits knapp 700 Fans auf Facebook gewonnen. Im Verbund mit einer eigenen Profilseite treten dort Firmen mit potenziell unzähligen Nutzern in direkten Dialog, setzen News ab und generieren Kunden-Feedback. Im mobilen Bereich bietet sich das iPhone als ideale Plattform an, um technikverliebte Besserverdiener zu erreichen. Sofern ein iPhone-Game gut gemacht und kostenlos ist, stehen die Chancen gut für eine hochrangige Platzierung in Apples zentralem App-Store.
Kostenlos ist der Einsatz von Adgames für den Werbenden keinesfalls. Wie viel Geld zu investieren ist, wollten auch die Teilnehmer des nordmedia Business-Frühstücks wissen. Fabian Wolff gibt zu bedenken, dass sowohl zu Beginn als auch im Betrieb und für die Pflege Kosten anfallen. Sie hängen davon ab, ob das Spiel auf bestehender Software aufsetzt oder von Grund auf neu entwickelt werden muss. Die nach oben offene Preisskala beginne im unteren vierstelligen Bereich.
Auf die Frage, welche Innovationen im Bereich Adgames zu erwarten sind, entwirft Wolff keine hochtrabenden Szenarien. Da revolutionäre Spielkonzepte finanziell riskant sind, setzen viele auf Altbewährtes. In nächster Zeit sei deshalb eher mit Verbesserungen der grafischen Umsetzung und der Bedienung zu rechnen. Ob auch das Spiel zu TV-Filmen im Kommen sei, wollte ein Besucher wissen. Das habe gewiss Zukunft, so Wolff, zunächst allerdings eher für die privaten Sender.
Das nächste nordmedia Business-Frühstück findet nach der Sommerpause am 22. September 2010 statt. Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier.
Autor: Michael Lange
Fotos: Jörg Lorenz
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