Hannover
Im
Regierungsbezirk Hannover leben rund 2 Millionen Menschen in den sieben Landkreisen Diepholz, Hameln-Pyrmont, Hannover, Hildesheim, Holzminden, Nienburg (Weser), Schaumburg und der Landeshauptstadt Hannover.
Die Landeshauptstadt Hannover Die ältesten Spuren Hannovers, Tonscherbenfunde aus dem 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus, wurden auf dem Gebiet der heutigen Altstadt gefunden. Östlich davon entstand eine als "vicus Honovere" um 1150 urkundlich erwähnte Marktsiedlung, in der Heinrich der Löwe 1163 einen Hoftag abhielt. Um 1230 wurde das erste Rathaus erbaut. Es sollte noch mehr als 700 Jahre dauern, bis Hannover seine zentrale Funktion gegen die damals mächtigen Städte Hildesheim und Bardowick, Lüneburg und Braunschweig durchsetzen konnte.
In der Blütezeit Hannovers im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Rathaus umgebaut, und es entstanden zahlreiche Bauten, darunter die Marktkirche als Backstein-Hallenbau und die Aegidienkirche. 1636 wurde Hannover Residenz der Herzöge von Calenberg, und mit der Verleihung der Kurwürde an Ernst August nahm auch die Bedeutung Hannovers zu.
1666 wurde der "
Große Garten" in Herrenhausen angelegt, der heute als einziger in Europa in seiner ursprünglichen Barockform erhalten ist. Hier finden im Sommer Konzerte, Theateraufführungen und Illuminationen statt. Mitte des 17. Jahrhunderts entstand auch der Ballhof, der heute als Theater genutzt wird.
Als Herzog Adolf Friedrich von Cambridge als Generalgouverneur des 1814 gegründeten Königreichs Hannover in die Stadt kam, entwickelte sich Hannover zu einer von Grünflächen umgebenen Residenzstadt. Die 1816 einsetzende Bauperiode wurde wesentlich von den klassizistischen Entwürfen Georg Ludwig Friedrich Laves geprägt. Er gestaltete das Leine-Schloß um, schuf das Wangenheim-Palais, das Opernhaus und legte den Waterlooplatz mit der Waterloosäule an.
Zur gleichen Zeit entwickelten sich in Linden die ersten Betriebe der hannoverschen Großindustrie. Die anhaltende wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, begleitet von einem lebendigen Kulturleben, wurde 1866 für kurze Zeit durch die preußische Annexion unterbrochen. Zwischen 1871 und 1905 wuchs die Bevölkerung von 87.000 auf rund 250.000 Einwohner. Die bauliche und wirtschaftliche Entwicklung zu einer modernen Groß- und Industriestadt verdankt Hannover überwiegend seinem Stadtdirektor Heinrich Tramm (1891-1918). 1913 wurde das imposante
Neue Rathaus mit seiner beeindruckenden Eingangshalle, 1914 die Stadthalle mit ihrem Kuppelsaal eröffnet.
Die Bautätigkeit zwischen den beiden Weltkriegen, vor allem gegen Ende der 20er Jahre, zeichnete sich nicht nur bei großen Einzelbauten (z. B. das
Anzeiger-Hochhaus von Höger), sondern auch im Wohnungsbau durch bemerkenswerte städtebauliche und architektonische Leistungen aus. Mit der Fertigstellung des Mittellandkanals 1916 und der Eröffnung des Lindener Hafens und des Nordhafens gewann die Binnenschiffahrt wieder an Bedeutung.
Im 2. Weltkrieg wurde die Innenstadt durch Bombenangriffe fast restlos zerstört. Der Wiederaufbau in den 50er Jahren unter Leitung von Rudolf Hillebrecht berücksichtigte die neue Rolle Hannovers als Landeshauptstadt. Hannover verfügt über eine U-Bahn, in deren Folge zwischen Leineschloß und Lister Platz eine drei Kilometer lange Fußgängerzone entstand. Tief unter dem zentralen
Kröpcke, befindet sich auf drei Ebenen das Drehkreuz der Hannoverschen U-Bahn.
Unberührt von der Umgestaltung der Stadt blieben die grünen Lungen: der sechs Quadratkilometer große Stadtwald Eilenriede mit dem
Zoo, die
Herrenhäuser Gärten und der erst in den 30er Jahren angelegte
Maschsee mit den südlichen Leineauen. Am Ufer des Maschsees wurde in den 80-er Jahren das Sprengel-Museum errichtet, eines der zahlreichen Museen der Landeshauptstadt. Eines davon widmet sich dem Keks, der unter dem Namen Bahlsen untrennbar mit Hannover verbunden ist, wie auch Hanomag, Pelikan und Continental. Diesen Firmen haben der Regisseur Harald Weiss und der Schauspieler Alexander May mit dem Videoclip „Markenart" ein originelles Denkmal gesetzt.
Seit 1947 hat sich Hannover zum Schauplatz der größten Messe der Welt, der jährlich stattfindenden Industriemesse, entwickelt. Ebenfalls auf dem riesigen
Messegelände findet die weltgrößte Computerfachmesse CeBIT statt, und 2000 war das Messegelände mit Erweiterungsflächen Schauplatz der Weltausstellung EXPO 2000. In einigen ehemaligen Länderpavillons haben sich inzwischen Firmen angesiedelt. Im Deutschen EXPO-Pavillon hat die nordmedia, die Mediengesellschaft der Länder Niedersachsen und Bremen, ihren Sitz.
Hildesheim und das Leinebergland Hildesheim entstand aus einem Rastplatz der Kaufleute am Schnittpunkt zweier Handelswege an der Furt über die Innerste. Anfang des 9. Jahrhunderts gewann der Ort an Bedeutung, als Kaiser Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen, seinen Bischofssitz von Elze an der Leine an die Innerste verlegte, wo der Legende nach ein rätselhafter Rosenstrauch rankte. Auch heute noch kann dieser "1000jährige Rosenstrauch" an der Apsis des im Jahr 1007 begonnenen Doms St. Marien bewundert werden. Der Dom und die St. Michaeliskirche wurden 1985 von der UNESCO zum Welterbe erhoben.
Hildesheim gehörte zum Bund der Hansestädte und war freie Reichsstadt. Im 2. Weltkrieg wurde ein großer Teil der Stadt zerstört. Der Marktplatz wurde detailgenau wiederhergestellt. Von 1983 bis 1990 wurden das Wedekindhaus, das Lüntzelhaus sowie das Rolandstift, eines der prächtigsten Barockhäuser Alt-Hildesheims, und das Knochenhauer-Amtshaus rekonstruiert.
Südlich von Hildesheim liegt das Leinebergland, bekannt durch die historischen Städte
Alfeld, Bad Gandersheim mit seinen Domfestspielen und Einbeck (s. unter Region Göttingen) sowie die sagenumwobenen "Sieben Berge", in denen der Räuber Lippolt in einer Höhle gehaust haben soll.
Das Weserbergland Abseits von der Hektik der großen Städte bietet das Weserbergland eine Fülle von Sehenswürdigkeiten. Die Weser schlängelt sich zwischen Bad Karlshafen und Rinteln knapp 150 km durch waldbedeckte Mittelgebirge, Wiesen und Felder. Eine Besonderheit sind die Gierseilfähren, über weite Strecken die einzige Verbindung zwischen den beiden Ufern. Noch heute zeugen die vielen prachtvollen Bauten der Weserrenaissance von der Blütezeit der Region im 16. und 17. Jahrhundert. Nur 200 Jahre später verließen Zehntausende wegen der großen Hungersnöte und der ständigen Kriege ihre Heimat, um nach Nordamerika auszuwandern.
Am östlichen Weserufer zwischen Bad Karlshafen und Holzminden liegt der Solling, nach dem Harz das größte geschlossene Waldgebiet Norddeutschlands, vor Jahrhunderten Sitz von Wanderglashütten, Köhlereien, Eisenhütten und Papiermühlen. Aus den Steinbrüchen des Solling kamen die grau funkelnden "Sollingplatten", die noch heute im Wesergebiet auf den Dächern zu finden sind.
Auf den kaum besiedelten Hochflächen sind neben Dam,- Rot- und Schwarzwild auch Mufflons und Waschbären heimisch geworden. Ein Hochmoor mit einer bis zu fünf Meter dicken Torfdecke gehört mit zu den Besonderheiten des Solling.
Hoch über der Weser leuchtet das weiß gestrichene Schloß Fürstenberg mit seiner weltberühmten Porzellanmanufaktur. Etwas weiter flußab in Bodenwerder wohnte Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen, dessen Geschichten 1785 erstmals anonym in England erschienen. Ihm zu Ehren finden im Sommer Lichterfeste auf der Weser und Münchhausen-Spiele statt.
Bei Bodenwerder bietet der Ith für Kletterer und Höhlenforscher ideale Bedingungen. Zwischen Bodenwerder und Hameln wird die Idylle durch die markante Silhouette des Atomkraftwerks Grohnde gestört. Hier fanden 1977 harte Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Staatsmacht statt, die in dem Film "Grohnde" dokumentiert sind.
Das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Weserberglandes ist die "Rattenfängerstadt" Hameln mit ihren zahlreichen beeindruckenden historischen Bauten und den sonntäglichen Rattenfängerspielen. Weiter nördlich, abseits der Weser, liegt
Bückeburg, seit der Regentschaft (1601-1622) des Grafen Ernst zu Holstein und Schaumburg Sitz der Schaumburger Grafen und Zentrum des erst 1946 aufgehobenen Freistaates Schaumburg-Lippe.
Das von Fürst Ernst im 17. Jahrhundert prunkvoll ausgebaute
Schloß Bückeburgmit dem Goldenen Saal und seinen kostbaren Möbeln diente schon häufiger als Filmkulisse. Bekannt ist Bückeburg auch durch den Sitz des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes.
In Bad Eilsen kurte im 19. Jahrhundert europäische Prominenz im schwefeligen Wasser. Ebenfalls zur Erholung lädt das grösste Binnengewässer Niedersachsens, das Steinhuder Meer.
Celle Celle (gehört zum Regierungsbezirk Lüneburg, wird hier aber der Region Hannover zugeordnet) erhielt 1248 die Stadtrechte. Die von Otto dem Strengen erbaute Wasserburg wurde im 17. Jahrhundert zum heutigen Renaissanceschloß umgestaltet. Hier verlebte Sophie Dorothea, die spätere unglückliche Gemahlin des Erbprinzen Georg Ludwig von Hannover, ihre Jugend. Im Schloßtheater von 1647 wird auch heute noch Theater gespielt. Sehenswert ist auch die ehemalige Turnierstätte Stechbahn, ein weitgestreckter mittelalterlicher Platz. Die rund 75.000 Einwohner zählende Stadt ist wegen ihres unzerstörten Fachwerkensembles ein Muß bei vielen Touristen.
Doch nicht alle kamen freiwillig nach Celle, das im 18. Jahrhundert Sitz des Oberappellationsgerichts, des heutigen Oberlandesgerichts, wurde. Manche landeten auch hinter Gittern in dem architektonisch interessanten Zuchthaus, das in der Zeit entstand. In die Schlagzeilen kam der Celler Knast häufiger, zuletzt durch das "Celler Loch", eine nebulöse Aktion des Verfassungsschutzes in der heißen Phase der Auseinandersetzungen mit der RAF.