Der Regierungsbezirk Lüneburg, so groß wie Schleswig-Holstein, ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern der am dünnsten besiedelte Bezirk Deutschlands. Er erstreckt sich über 160 km in nordsüdlicher Richtung und über 210 km in westöstlicher Richtung von den wasserreichen Elb- und Wesermarschen über die Wälder, Moore, die Lüneburger Heide bis zum Wendland. In dem überwiegend ländlich strukturierten Raum liegen elf Landkreise und drei selbständige Städte.
Die Lüneburger Heide
Der besondere Reiz dieser durch Heide und Kiefernwälder geprägten Landschaft liegt in den weiten und unberührten Naturräumen. Ihr Entstehen verdankt die Lüneburger Heide, die wohl bekannteste Landschaft Niedersachsens, der alten Salzstadt Lüneburg. Bereits im frühen Mittelalter entstand rund um den mächtigen Salzstock der bedeutendste Salzmarkt Norddeutschlands.
Für die Salzsiedung wurde viel Holz benötigt, wofür man die umliegenden Wälder abholzte. So bildete sich im Lauf der Jahrhunderte mit Unterstützung der Heidschnucken die unverwechselbare Heidelandschaft mit Hügeln, Heide und Wacholderhainen. Sie liegt zwischen der Niederelbe im Norden und der Aller im Süden und weist im 1909 gegründeten Naturschutzpark um den Wilseder Berg die größte zusammenhängende Heidefläche Mitteleuropas auf.
Ermöglicht wurde die Einrichtung dieses Naturschutzgebiets durch eine Spende, mit der der Egestorfer Pastor Wilhelm Bode verhindern konnte, daß auf dem Gebiet eine Feriensiedlung gebaut wurde. Nicht weit vom Naturschutzpark um den mit 169 Metern höchsten Berg der Region beginnt die Nordheide. Hier liegen die ehemals berümten Filmstudios Bendestorf, in denen nach 1946 zahlreiche Filme entstanden, darunter auch der Kassenschlager „Wenn die Heide blüht". Im kleinen Filmmuseum des Ortes können viele der alten Filme gesichtet werden.
Die beiden bedeutendsten Städte der Lüneburger Heide sind Lüneburg im Norden und Celle im Süden (s. Region Hannover). Bereits im 8. Jahrhundert wurden in Lüneburg große Salzlager entdeckt; angeblich führte eine Wildsau Jäger zu einem Salztümpel. Da Salz sehr wertvoll war, wuchsen in den folgenden Jahrhunderten die Bedeutung und der Reichtum der Stadt. Die Lüneburger Saline wurde der größte Industriebetrieb im Mittelalter. Erst durch das billiger produzierte Meersalz verlor die Salzgewinnung durch Sieden an Bedeutung.
Bis 1980 wurden noch Spezialsalze produziert, dann stellte die Lüneburger Saline ihren Betrieb ein. Heute wird die Sole noch zu Kurzwecken oder im Sole-Wellenbad genutzt. Im Salzmuseum ist die Geschichte der Salzgewinnung dokumentiert. Vom Reichtum Lüneburgs zeugen auch das Rathaus mit seiner „Gotischen Gerichtslaube" und dem Fürstensaal sowie zahlreiche alte Backsteinhäuser.
Nur wenige Kilometer vor Lüneburg steht als Zeuge einer ruhmreichen Vergangenheit der mächtige Bardowicker Dom. Heinrich der Löwe ließ 1189 die damals bedeutende Stadt zerstören. Noch viel älter als der Bardowicker Dom ist die Hünengrabanlage bei Oldendorf, deren älteste Gräber aus der Jungsteinzeit stammen. Das größte der vier Großsteingräber ist 80 Meter lang und 7 Meter breit.
Die Gegend um Soltau-Fallingbostel und Walsrode genießt vor allem bei Fans von Freizeitparks (Heidepark Soltau, Vogelpark Walsrode) einen guten Ruf. In Walsrode stehen aber auch die Reste des ältesten der sechs Heideklöster der Lüneburger Heide. Die alte Bischofsstadt Verden an der Aller ist bei Pferdeliebhabern wegen der Frühjahrs- und Herbstauktionen und des Pferdemuseums bekannt.
In der Heide gibt es nicht nur Naturschutzgebiete, sondern auch militärische Sperrzonen. Zwar kämpfen seit Jahrzehnten Bürgerinitiativen gegen die Panzer, die sich durch die Heide wühlen, doch erst die Veränderungen der politischen Lage in den letzten Jahren haben Verhandlungen über die Aufhebung der Sperrgebiete ermöglicht. Der größte Truppenübungsplatz liegt bei Bergen-Hohne.
Am Rande des Geländes befindet sich die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Unter den zahllosen Opfern dieses Vernichtungslagers war auch das jüdische Mädchen Anne Frank, deren Tagebuch eindrucksvoll ihren langen Leidensweg schildert. Zur Erinnerung an die Nazi-Greuel wurde in Bergen-Belsen eine KZ-Gedenkstätte eingerichtet.
Das Wendland
Bekannt wurde das Wendland vor allem durch die Atommülldeponie bei Gorleben und die umstrittenen Castor-Transporte in das Zwischenlager Gorleben. Seit Mitte der 70er Jahre gibt es heftigen Widerstand gegen das „Atomklo Deutschlands", der mit der Proklamation der „Republik Freies Wendland" einen Höhepunkt fand. Mit der spektakulären Räumung des Hüttendorfes 1980 war der Widerstand der Bevölkerung aber nicht gebrochen, wie die Castor-Transporte immer wieder zeigen.
Das Wendland und der Naturpark Elbufer-Drawehn liegen im Osten des Regierungsbezirks, quasi am „anderen Ufer" des Elbe-Seitenkanals, der die Elbe mit dem Mittellandkanal verbindet und auch „Heide-Suez" genannt wird. Diese Region lag nach dem Krieg durch die „Zonengrenze" am Rand, ist wenig besiedelt und landwirtschaftlich geprägt. Hier finden sich noch wenig berührte Landschaften, kleine Städte und die für das Wendland typischen Rundlingsdörfer. In Hitzacker geben sich die Liebhaber der Kammermusik bei den „Sommerlichen Musiktagen" ein Stelldichein.
Aus dem hügeligen Drawehn und den Elbmarschen zwischen Schnackenburg und Bleckede entstand 1968 der Naturpark Elbufer-Drawehn. Hier haben in den Altarmen der Elbe wieder Kraniche, Graugänse und Störche Nistplätze gefunden. Oberhalb des Drawehn liegt die Göhrde, deren Wälder im 19. Jahrhundert bevorzugtes Jagdgebiet europäischer Fürstenhäuser waren.